Prümerlandfrauen

Ernte durch moderne Technik möglich

Trier. „Platzregen, Hagel, hohe Luftfeuchtigkeit, falscher Mehltau, Kirschessigfliege, die Landwirte und Winzer hatten 2016 alle Hände voll zu tun, um überhaupt eine Ernte einfahren zu können. Dennoch hat die Qualität häufig sehr gelitten“, begann der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper, sein Grußwort während des Erntedankfestes vor der Porta Nigra in Trier. Im Weinbau hoffe er auf gute Qualitäten. Denn das Septemberwetter mache Hoffnung auf mehr.
Vor Vertretern aus Politik, Landwirtschaft, Gesellschaft und einem sehr gut besuchten Bauernmarkt erläuterte Horper, dass die Bauern und Winzer großes fachliches Können an den Tag gelegt hätten, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Vor 150 Jahren hätte das diesjährige Wetter zu einer Hungersnot geführt. Der fachgerechte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei keine Bedrohung, sondern ein Segen für die Produktion gesunder Nahrungsmittel und die Ernährung der Menschen in unserem Land. Die Verbraucher träumten von Regionalität und biologisch erzeugten Lebensmitteln, sie gingen aber weiterhin zu Discountern und drückten die Erzeugerpreise durch den Kauf von Billigprodukten. Die viel zitierte „Geiz-ist-geil-Mentalität“ gebe es nach wie vor.
In der Landwirtschaft sei - von einigen Regionen abgesehen, die sehr unter Hagelschäden oder extremem Krankheitsdruck gelitten hätten - eine knapp unterdurchschnittliche Ernte eingefahren worden. Daher habe für den bäuerlichen Berufsstand das Erntedankfest in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung. Er dankte den Verbrauchern, die die Arbeit der Landwirte wertschätzen würden und den Politikern, die bereit seien in Krisenzeiten zu helfen. Er dankte aber auch allen ehrenamtlich tätigen Menschen im bäuerlichen Berufsstand. Besonders dankte er all diejenigen, die am Gelingen des Erntedankfestes beteiligt gewesen seien. Exemplarisch hob er die Landjugend des Kreises Daun hervor, die die Erntekrone mit viel Fleiß und zeitlichem Einsatz erstellt hätten. Außerdem hätten sich die Landfrauengruppen aus der Eifel in ganz besonderer Weise um die Ausgestaltung des Gottesdienstes, dem Schmücken des Domes, des Erntewagens sowie dem Binden und verteilen der vielen Erntesträuße gesorgt. Für die musikalische Umrahmung dankte er den Musikvereinen aus Idenheim, Riol und Altrich sowie der Winzertanzgruppe aus Leiwen.
Landrat Günter Schartz freute sich sehr, dass der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau an der Tradition des Erntedankfestes festhalte. Die Landwirte und Winzer würden hier ihr „Gesicht zeigen“. Er freue sich sehr darüber, dass gerade am Erntedankfest die Trierer Bevölkerung in ganz besonderer Weise Kontakt mit der ländlichen Bevölkerung aufnehmen könne. Er dankte daher allen Unterstützern des Erntedankfestes. Die bäuerlichen Unternehmer könnten vor der Porta Nigra ihre Leistungen direkt präsentieren und die Besucher des Festes von den Qualitäten der regional erzeugten Produkte überzeugen. Die politischen Vertreter bat er, sich weiterhin für Rahmenbedingungen einzusetzen, die den Landwirten und Winzern auch weiterhin Perspektiven böten. Diesem Berufsstand dürfe man nicht die „Luft abschnüren“. Die bäuerliche Landwirtschaft müsse auch in Zukunft noch die Chance haben, wirtschaftlich attraktiv Lebensmittel produzieren zu können.
Landfrauenpräsidentin Rita Lanius-Heck machte auf die Vielfalt der landwirtschaftlich erzeugten Lebensmittel aufmerksam. In Deutschland gebe es insgesamt 300 Brot-, 650 Käse- und 1.500 Wurstsorten. Diese Fülle an Waren sichere Arbeitsplätze weit über die Landwirtschaft hinaus. Millionen Menschen seien somit direkt oder indirekt von der Landwirtschaft abhängig. Darüber hinaus pflegten die Bauern- und Winzerfamilien die Kulturlandschaft, die wiederum die Attraktivität des Flächenlandes Rheinland-Pfalz begründe. Lanius-Heck bedauerte es, mit welcher Selbstverständlichkeit heute angenommen würde, dass der Genuss guten Essens alltäglich sei. In Wahrheit sei es eben in keiner Weise selbstverständlich, täglich satt zu werden. Die Witterung 2016 zeige deutlich, wie sensibel die Nahrungsproduktion sei. Umso bedauerlicher seien die aktuellen landwirtschaftlichen Preise, die zu wirtschaftlichen Nöten in vielen landwirtschaftlichen Familien führten: „Wir Bauern- und Winzerfamilien denken in Generationen. So sollte man die Landwirtschaft auch sehen und begreifen. Daher ist eine pauschale Vorverurteilung verschiedener Produktionstechniken, die den Menschen auf den Betrieben die Fortführung ihrer Arbeit erschwert, scharf zu verurteilen.“ So sage beispielsweise die Größe eines Betriebes absolut nichts über die Qualität der erzeugten Waren und über das Tierwohl aus. Hier seien nur Fachkenntnis und der Wille zum tierfreundlichen Umgang gefragt.
Sie lade die Presse gerne ein, um ihr die vielen positiven Beispiele in der Landwirtschaft zu zeigen, damit auch hierüber berichtet werden könne. Lanius-Heck dankte den Landfrauen, die die Schulen und Kindergärten besuchen würden, um die Kinder über die Erzeugung von Lebensmitteln aufzuklären. Darüber hinaus seien die Landfrauen in sehr vielen Bereichen tätig und unterstützten die landwirtschaftliche Öffentlichkeitsarbeit. Sie dankte weiterhin allen Landfrauengruppen, die sich aktiv an der Gestaltung des Erntedankfestes beteiligt hätten.
Sie gab den Zuhörern mit auf den Weg, dass die heimischen Landwirte und Winzer fair behandelt werden wollten. Es sei richtig und gut, die Menschen in der Dritten Welt zu unterstützen und ihnen mit fairem Handel zu helfen. Dabei dürfe aber nicht das faire Handeln gegenüber den Menschen hier in Rheinland-Pfalz vergessen werden.
Katharina Blang, die Vorsitzende des Landjugendverbandes Rheinland-Nassau, zeigt sich traurig über die augenblicklich niedrigen Erlöse, die die landwirtschaftlichen Betriebe erhielten. Sie rief die Menschen in Trier auf, ihnen zu helfen und regional einzukaufen: „Wir wollen Lebens- und Bleibeperspektiven für unsere Betriebe im Land. Es wäre so einfach, die Probleme für unsere Landwirtschaft aus der Welt zu schaffen. Ohne unsere Kunden und Verbraucher geht es allerdings nicht.“ Sie bat die Politik, sich für die Landwirtschaft einzusetzen. Die Landjugend sei jederzeit bereit, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Ganz besonders dankte Blang der Landjugend des Kreisverbandes Daun, die sich in besonderer Weise mit dem Binden der Erntekrone um das Erntedankfest verdient gemacht habe.
Die rheinland-pfälzische Milchkönigin Carina Hirschen brach eine Lanze für den fachgerechten Pflanzenschutzmitteleinsatz. In früheren Jahren wären bei einer Witterung wie 2016 die Auswandererschiffe in die neue Welt gefüllt gewesen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und moderner Technologien erlaube nun eine sichere Ernährung der Bevölkerung. Die Landwirte erhielten dafür aber nicht den Respekt und auch nicht die Erzeugerpreise, die sie verdienen würden. Die Wertschätzung für die heimischen Produkte müsse endlich wieder den Stellenwert erhalten der ihr gebühre.
Die Mosel-Weinkönigin Lisa Schmitt betonte, dass eine abschließende Beurteilung der Weinlese noch nicht möglich sei. Erste Trauben seien gelesen und nun hofften die Winzer auf einen trockenen Herbst. Sie sei hoffnungsfroh, dass gute Qualitäten gelesen werden könnten.
Nach den Grußworten übergab Präsident Michael Horper Oberbürgermeister Wolfram Leibe die Erntekrone des bäuerlichen Berufsstandes. Leibe: „Die Erntekrone wird im Rathaus der Stadt Trier aufgestellt als Zeichen dafür, dass die Landwirte in Rheinland-Pfalz die Menschen in Trier ernähren.“ Es sei ihm eine besondere Freude, täglich mehrfach an der Erntekrone vorbeigehen zu dürfen.
Pfarrer Hans Wilhelm Ehlen machte während des Erntedankgottesdienstes im Trierer Dom deutlich, dass die Menschen Teil der Schöpfung und somit selbst Teil der Natur seien. Wo die Schöpfung leide, leide auch der Mensch, wo aber ausgesät werde und wo freundlich mit der Schöpfung umgegangen werde, könne auch geerntet werden. Der Fleiß der Bauern und Winzer erhalte das menschliche Leben. Ehlen bat die Gäste des Gottesdienstes aber neben den Bauern auch allen Menschen zu danken, die von ihnen im Laufe ihres Lebens Leistung abverlangt hätten. Schließlich seien es die Menschen unserer Vergangenheit, die uns zu dem gemacht hätten was wir seien. Dies mögen durchaus auch Persönlichkeiten gewesen sein, die nicht nur Freundliches im Sinn gehabt hätten.
Mehrere tausend Besucher des Erntedankfestes konnten sich auf dem großen Bauernmarkt an einer Vielfalt an landwirtschaftlichen und weinbaulichen Produkten erfreuen. Der Betrieb Michael Hausen stellte eine Ammenkuh mit Kalb zur Verfügung. Die Tiere waren ein großer Anziehungspunkt für die Besucher des Erntedankfestes. Im Zelt der Landwirtschaftskammer konnten die Besucher die Ausstellung von Kaninchen- und Hühnerzuchtverbänden bestaunen. Die Landjugend Rheinland-Nassau brach in diesem Jahr eine Lanze für den Obstbau und bot gegen eine Spende für einen guten Zweck frisch gepressten Apfelsaft an. Dabei konnten die Besucher den Pressvorgang selbst miterleben. Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau präsentierte neben einem Informationsstand die verschiedenen Getreide- und Apfelsorten, die die Besucher im Rahmen eines Wettbewerbs erraten konnten.
Präsident Michael Horper, Landfrauenpräsidentin Rita Lanius-Heck und Landjugendvorsitzende Katharina Blang dankten allen Mitwirkenden und Organisatoren des Erntedankfestes: Den Landfrauenverbänden Trier, Saar-Obermosel-Hochwald, Bernkastel-Wittlich, Neuerburg und Prüm, der Landjugendgruppe Daun, den Musikvereinen Idenheim, Altrich und Riol, der Volkstanzgruppe Zerf, der Winzertanzgruppe Leiwen, der Kulturgruppe Schillingen, dem Oldtimerverein Heidweiler, der katholischen Landvolkbewegung, dem Herrn Alois Wagner aus Bekond für das Zurverfügungstellen der Pferdekutsche, dem Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau und seiner Kreisgeschäftsstelle in Trier, der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz sowie dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau für die finanzielle Unterstützung.